Veranstaltung

Sind Bundesverfassungsrichter rationale Trottel?

Thorsten Hüller (Bremen)

19:00-21:00
Berliner Seminar Recht im Kontext
Wissenschaftskolleg zu Berlin, Villa Jaffé
Wallotstraße 10, 14193 Berlin

Der Vortrag befasst sich im ersten Teil mit zwei politikwissenschaftlichen Untersuchungen der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Lager empirischer Rational-Choice-Forschung: Danach wird behauptet, Richter würden nicht allein nach der Maßgabe bestmöglicher Rechtsauslegung, sondern opportunistisch/populistisch agieren, indem sie den Schulterschluss mit der „öffentlichen Meinung“ suchten (Vanberg) oder parteipolitische Vorstellungen in die richterliche Spruchpraxis einbrächten (Hönnige). Der Vortrag verfolgt das Ziel, diese Thesen zu dekonstruieren: Im Fall der Parteipolitikthese sei die Empirie zu wenig aussagekräftig, im anderen Fall scheine der gefundene empirische Zusammenhang zu bestehen, ließe sich aber mit alternativen theoretischen Überlegungen besser erklären. Darüber hinaus sollen im Rahmen des zweiten Vortragsteils Konturen anderer Untersuchungsmethoden der bundesverfassungsgerichtlichen Spruchpraxis thematisiert werden. Dabei wird vorgeschlagen, entsprechende Forschungsvorhaben methodologisch als Ideologiekritik zu betreiben, die sich sowohl an der Spruchpraxis als auch an der wissenschaftlichen Beobachtung gleichermaßen abarbeiten könne.

Thorsten Hüller vertritt den Lehrstuhl für Internationale Politik an der FernUniversität in Hagen. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und Wirtschaftswissenschaft an der Universität Bremen arbeitete er am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung sowie am Sonderforschungsbereich 597 „Staatlichkeit im Wandel“ an der Universität Bremen. Seine Forschungsinteressen beziehen sich insbesondere auf die Auswirkungen von europäischer Integration und Denationalisierung auf die Demokratiequalität politischer Ordnungen.