Veranstaltung

Empirische Verfassungsrechtswissenschaft: Potenzial und Grenzen

Niels Petersen (Münster)

19:00-21:00
Berliner Seminar Recht im Kontext
Humboldt-Universität zu Berlin
Juristische Fakultät, Raum E44/46
Bebelplatz 2, 10099 Berlin

Die empirische Erforschung des Verfassungsrechts ist in den USA schon seit längerem etabliert. In jüngerer Zeit gibt es auch in Deutschland ein zunehmendes Interesse an empirischen Fragestellungen im Verfassungsrecht. Der Vortrag möchte zunächst eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Standes der empirischen Verfassungsrechtswissenschaft machen. Dabei sind insbesondere drei Forschungsrichtungen zu unterscheiden: Eine erste Forschungsrichtung befasst sich mit Verfassungstexten. Sie übersetzt deren Charakteristika in quantitative Parameter und versucht diese zu politischen und sozio-ökonomischen Faktoren in Beziehung zu setzen. Damit soll in erster Linie untersucht werden, ob das Verfassungsdesign einen Einfluss auf politische Entscheidungen hat.  Eine zweite Forschungsrichtung beschäftigt sich mit Entscheidungen von Verfassungsgerichten. Eine typische Fragestellung ist, ob sich die politische Einstellung von Verfassungsrichtern auf die Entscheidungen von Verfassungsgerichten auswirkt. Eine dritte Forschungsrichtung beschäftigt sich mit juristischer Argumentation und deren Beziehung zum Ergebnis juristischer Entscheidungen. Dabei sind insbesondere automatisierte Analyseinstrumente, wie das text oder argumentation mining, im Vordringen begriffen. Nach der Bestandsaufnahme wendet sich der Vortrag der Bewertung dieser empirischen Methoden für den Erkenntnisgewinn in der Verfassungsrechtswissenschaft zu. Dabei sollen sowohl das Potenzial als auch die Grenzen dieser Analyseinstrumente aufgezeigt werden.

Niels Petersen ist Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht sowie empirische Rechtsforschung an der Universität Münster. Neben juristischen Staatsexamina und Promotion absolvierte er einen M.A. in Quantitativen Methoden in den Sozialwissenschaften an der Columbia University. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Völkerrecht, im Verfassungsrecht, der Verfassungstheorie und der Verfassungsvergleichung sowie in der ökonomischen Analyse des Rechts. Seine wichtigste Monographie ist Verhältnismäßigkeit als Rationalitätskontrolle (Mohr Siebeck 2015).