Veranstaltung

Den Staat verfassen: Ein rechtsethnologischer Blick auf Verfassungspolitik


Audioaufnahme der Veranstaltung


Judith Beyer (Konstanz)

19:00-21:00
Berliner Seminar Recht im Kontext
Wissenschaftskolleg zu Berlin, Villa Jaffé
Wallotstraße 10, 14193 Berlin

Ein Problem der Ethnologie besteht darin, „den Staat“ zu fassen, da er sich der herkömmlichen ethnologischen Methodologie entzieht: Er kann „an sich“ nicht teilnehmend beobachtet werden. Der Staat ist eine politische Leitkategorie, eine Fiktion, die von Menschen kontinuierlich hervorgebracht und erhalten werden muss. Eine Anthropologie des Staates muss daher eine tangentiale Herangehensweise an dieses vielschichtige Phänomen wählen. In meinem Vortrag stelle ich dar, inwieweit Verfassungspolitik eine geeignete Möglichkeit bietet, die performative Hervorbringung von Staat in Momenten zu beobachten, in denen er qua verfassungsschöpfendem Akt, oft nach einer Krise, neu konstituiert wird. Eine ethnologische Sicht auf Verfassungspolitik nimmt die Prozesse und Strategien von Akteuren in den Blick, die in Bezug auf „die Verfassung“ handeln. Der Vortrag fokussiert die politische Teilhabe von Nichtexperten an der Konstituierung staatlicher Ordnung und untersucht den Einfluss zunehmender Globalisierung auf nationalstaatliche Prozesse.

Judith Beyer ist Juniorprofessorin für Ethnologie an der Universität Konstanz. Sie hat Ethnologie, Öffentliches Recht und Slavistik in Tübingen studiert und am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle (Saale) mit einer Arbeit zu Rechtspluralismus im zentralasiatischen Kirgistan promoviert. Ihr aktuelles Projekt untersucht Land- und Eigentumsregimes religiöser Minderheiten im südostasiatischen Myanmar. Judith Beyer ist spezialisiert auf Themen der Rechts- und Politikethnologie und forscht zu Staat, Staatenlosigkeit, Verfassungspolitik und Autorität. Sie interessiert sich für Ethnomethodologie, oral history und die Verwendung von Photographie in Forschung und Lehre.