Veranstaltung

Soziale Netzwerke als Ort der Kriminalität und Ort von Ermittlungen - wie wirken sich Online-Durchsuchung und Quellen-TKÜ auf die Nutzung sozialer Netzwerke aus?

Carsten Momsen (Berlin)

19:00-21:00
Berliner Seminar Recht im Kontext
Humboldt-Universität zu Berlin
Juristische Fakultät, Raum 144
Bebelplatz 2, 10099 Berlin

Um Anmeldung wird gebeten: register@rechtimkontext.de

Wer sich in sozialen Netzwerken bewegt, ist an Kommunikation interessiert. Neben dem Austausch mit bereits bekannten Personen liegt der Reiz entsprechender Plattformen gerade auch in der Möglichkeit, vermittelt über gemeinsame Interessen, Themen oder Freunde neue Bekanntschaften zu knüpfen. Damit begibt man sich der Möglichkeit, Kommunikationspartner sorgfältig auszuwählen und nach und nach besser kennenzulernen. Die dem neuen Arbeitskollegen zugänglichen Informationen unterscheiden sich nicht notwendig von dem, was Lebenspartnerinnen und -partner voneinander einsehen können. Gerade hierin liegt aber auch die Erfolgschance neuer Ermittlungsmaßnahmen im virtuellen Raum. Wie etwa kann man sich sinnvoll gegen einen per Facebook-Chat platzierten Trojaner schützen? Schon für den Verdächtigen ist es im Zweifelsfall schwer zu erkennen, ob er nicht statt mit dem beabsichtigten Gesprächspartner mit einer Ermittlungsbehörde kommuniziert. Viel entscheidender aber ist, dass der Kreis der potenziell mitbetroffenen Kommunikationspartner eines überwachten Verdächtigen in sozialen Netzwerken um ein Vielfaches größer ist als bei herkömmlicher Telekommunikationsüberwachung. Damit steigt die Zahl der ins Visier der Ermittlungsbehörden geratenden völlig unverdächtigen Personen exponentiell an. Gibt es rechtliche Grenzen für die Ermittlungsbehörden? Wie weit reichen die Möglichkeiten, sich wirksam zu schützen? Ist die Flucht ins Darknet ein sinnvoller und legitimer Ausweg?

Carsten Momsen leitet den Arbeitsbereich für Strafrecht, Strafverfahrensrecht, Wirtschafts- und Umweltstrafrecht an der Freien Universität Berlin.
Nach einer Tätigkeit als Devisen- und Wertpapierhändler studierte er an der Universität Göttingen Rechtswissenschaften. Im Jahr 1996 folgte dort die Promotion. Neben der Promotion studierte er Philosophie sowie Mittlere und Neuere Geschichte. 2004  habilitierte er sich. Im selben Jahr nahm er einen Ruf an die Universität des Saarlandes an. 2008 wurde ihm der Landespreis für Hochschullehre verliehen. 2010 nahm Momsen einen Ruf an die Universität Hannover an, dort gründete er die Forschungsstelle für Kapitalmarktstrafrecht. 2015 erfolgte der Ruf an die Freie Universität Berlin.
Carsten Momsen ist u.a. ständiges Mitglied des Program Committee der internationalen Konferenzserie „SADFE - Systematic Approaches on Digital Forensic Engineering“ sowie Founding Member und PI des Einstein Center Digital Future. Lehr- und Forschungsaufenthalte absolvierte er u.a an der Symbiosis Law School in Pune, der Columbia Law School sowie der University of Toronto.