Event

Verantwortungslasten der italienischen Staatsrechtslehre im Faschismus

Fulco Lanchester (Rom)

19:00-21:00
Berliner Seminar Recht im Kontext
Wissenschaftskolleg zu Berlin, Villa Jaffé
Wallotstr. 10, 14193 Berlin

Um Anmeldung wird gebeten: register(at)rechtimkontext.de

Der Vortrag behandelt zusammenfassend Themen über längere und über kürzere Zeitabschnitte. Erstere sind unerlässlich, um sowohl den spezifischen, auf die zwanzigjährige Dauer des faschistischen Regimes beschränkten Gegenstand als auch die Entwicklungen der zweiten Nachkriegszeit einordnen zu können.

Zunächst wird der Verlauf der italienischen Staatsrechtslehre vom historisch-politischen Ansatz der ersten einheitlichen zwanzig Jahre bis hin zum zweifachen Positivismus-Vorschlag – dem deutscher Prägung von Vittorio Emanuele Orlando und dem elitistisch-meritokratischen von Gaetano Mosca – umrissen, der das darauffolgende Vierteljahrhundert prägte. Anschließend wird, ausgehend von der Untersuchung der Werke von Santi Romano und Alfredo Rocco, die Krise der rechtlich liberalen oligarchischen Ideologie beleuchtet. Die Hervorhebung der theoretisch-pragmatischen Arbeit Roccos als einer staatsverehrenden sozialdarwinistischen Synthese der vorausgegangenen Positionen macht es möglich, die Dynamik der das faschistische Regime ab 1925 kennzeichnenden inkrementellen Reformen zu ermitteln.

Zur Zeit des autoritären Massenstaats mit totalitärer Tendenz vollzieht sich der Übergang von der Staatslehre zur Verfassungslehre in Italien auf Grundlage der Rezeption der politischen Prinzipien und Werte des Regimes seitens junger Verfassungsrechtler (Mortati, Crisafulli, Giannini, Chiarelli), welche – im Unterschied zum stärker engagierten Flügel der Ideologen des Regimes (Panunzio und e Costamagna) – die wahre Brücke für den Übergang von der Theorie des Parteistaats zu der des Verfassungsstaats der Parteien der zweiten Nachkriegszeit schlagen.

Fulco Lanchester ist Professor für italienisches und vergleichendes Verfassungsrecht an der politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität „La Sapienza“ im Rom. Er war Prorektor für die Partneruniversitäten der Universität, Direktor der Abteilung für Staatstheorie (1993-1999, 2011), Dekan (1999-2008) und Direktor des Fachbereichs für Politikwissenschaft (2012-2015). Er koordiniert das Doktorandenprogramm für öffentliches Recht, Völkerrecht und Rechtsvergleichung. Er ist der Direktor des Masterprogramms „Mario Galizia“ der Parliamentary Institutions for Assembly Advisors. Fulco Lanchester ist Mitglied des wissenschaftlichen Komitees der folgenden juristischen Fachzeitschriften: “Quaderni costituzionali”, “Rassegna parlamentare”, “Revista de derecho constitucional europeo”, “Federalismi.it” sowie Managing Editor der Zeitschrift “Nomos Le attualità nel diritto”.  Seit Dezember 2010 ist Fulco Lanchester einer der Präsidenten der „Lega per il collegio uninominale”. Seit 2014 ist er der Präsident der Stiftung “Paolo Galizia – Storia e Libertà”.