Event

Die Rolle des Rechts im Kontext von Normenkontestation

Nicole Deitelhoff (Frankfurt a.M.)

19:00-21:00
Berliner Seminar Recht im Kontext
Wissenschaftskolleg zu Berlin, Villa Jaffé
Wallotstr. 10, 14193 Berlin

Jahrzehntelang haben Aktivistinnen und Aktivisten auf die Verrechtlichung von internationalen Normen hingearbeitet, sei es im Menschenrechtsschutz, der Regulierung von Waffengattungen oder mit Blick auf Umweltstandards. Die Fassung von Normen im Medium des Rechts soll sie mit besonderer Stabilität und Widerstandskraft gegenüber  politischen Ränkespielen oder blanker Macht ausstatten. Obgleich unbestritten ist, dass sich das Recht niemals völlig von der Politik, auf die es einwirken soll, scheiden lässt, ist der Glaube, dass das Recht Normen mit besonderer Kraft ausstatten würde, nach wie vor verbreitet.

Worin gründet dieser Glaube? Was macht das Recht so speziell, das internationale zumal, dass es diese Effekte haben könnte? Und nicht zuletzt: Stimmt das eigentlich?  Der Vortrag wird den Gründen für die hervorgehobene Bedeutung des Rechts für die Stabilität und Resilienz von Normen nachspüren und sie mit Ergebnissen aus der empirischen Forschung zu Kontestationsprozessen von Normen konfrontieren. Dabei zeigt sich, dass Recht oftmals eher Schwert der Kontestation als Schild gegen sie ist. Es ermöglicht Kontestationsprozesse eher, als dass es sie verhindert. Gleichwohl  geht damit eine stabilisierende Wirkung von Normen bzw. von Normsystemen einher, da die Sprache des Rechts Kontestationsprozessse zwar ermöglicht, sie aber zugleich einhegt und kanalisiert.

Nicole Deitelhoff ist seit 2009 Professorin für Internationale Beziehungen im Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt und seit April 2016 Direktorin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Sie hat in Darmstadt und Buffalo, New York, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften studiert und an der Technischen Universität Darmstadt 2004 promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Institutionen und Normen, Grundlagen politischer Herrschaft und ihrer Legitimation jenseits des Nationalstaats, Privatisierungs- und Internationalisierungstendenzen im Bereich der Sicherheitspolitik sowie Widerstands- und Protestphänomene mit einem Schwerpunkt auf soziale Bewegungen.