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Wissen als Diskriminierungsfrage: Das europäische Antidiskriminierungsrecht zwischen implizitem Wissen und selbstlernenden Algorithmen

Alexander Tischbirek (Berlin)

19:00-21:00
Berliner Seminar Recht im Kontext
Humboldt-Universität zu Berlin
Juristische Fakultät, Raum 144
Bebelplatz 2, 10099 Berlin

Um Anmeldung wird gebeten: register@rechtimkontext.de

Juristische Dogmatik ist auf außerjuridisches Wissen angewiesen. Sie verweist nicht nur auf das Sachverhaltswissen im konkreten Fall, sondern auch auf generelles Wissen um die Welt. Wo dieses Wissen jedoch schwer zugänglich ist, steht auch die juristische Dogmatik unter Druck. Im europäischen Antidiskriminierungsrecht lässt sich dies anhand zweier Phänomene beschreiben, die vordergründig kaum Gemeinsamkeiten aufweisen: das implizite Wissen und die Wissensproduktion durch algorithmische Anwendungen. Nachdem die Konfrontation mit dem impliziten Wissen eine grundlegende Erweiterung des antidiskriminierungsrechtlichen Instrumentariums mit sich gebracht hat, stellt sich die Frage, ob das gewandelte Antidiskriminierungsrecht auch den sehr viel neueren Herausforderungen Künstlicher Intelligenz gewachsen ist. Hier zeigt sich das Recht umso wissensdurstiger: während auch vermeintlich rationale, automatisierte Verfahren zu Diskriminierungen führen können und die dogmatischen Figuren zur Sanktionierung solcher Effekte im Grundsatz bereitstehen, fehlt es am erforderlichen Faktenwissen für eine wirksame Diskriminierungsabwehr. Die Gründe hierfür finden sich auch im Recht.

Alexander Tischbirek ist Postdoktorand am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie der Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Dr. Christoph Möllers). Er studierte Rechtswissenschaft in Berlin (Humboldt-Universität) und New York (Columbia University). Forschungsaufenthalte führten ihn an das European University Institute in Florenz und die Princeton University. Er wurde 2016 an der Humboldt-Universität promoviert. Seine Dissertation mit dem Titel „Die Verhältnismäßigkeitsprüfung. Methodenmigration zwischen öffentlichem Recht und Privatrecht“ wurde mit dem Konrad Redeker-Preis und dem Carl Gottlieb Svarez-Preis ausgezeichnet. Alexander Tischbirek ist Mitarbeiter der Forschungsgruppe Leibniz Linguistic Research into Constitutional Law; er forscht zum Verfassungs-, Europa- und Antidiskriminierungsrecht.