Event

Menschenwürde und Digitalisierung

Dietmar von der Pfordten (Göttingen)

19:00–21:00
Berliner Seminar Recht im Kontext
Humboldt-Universität zu Berlin
Juristische Fakultät, Raum: 144
Bebelplatz 2, 10117 Berlin

Um Anmeldung wird gebeten: register(at)rechtimkontext.de

Verschiedene Anwendungen der Digitalisierung kommen dem innersten Schutzwall des Rechts, der Menschenwürde, immer näher oder verletzen diesen vielleicht sogar bereits, etwa das chinesische Sozialpunktesystem, Googles Duplex oder Autos, die miteinander kommuni-zieren und über Leben und Tod „entscheiden“. Manche Autoren fordern schon eine Rechts-subjektivität von „autonomen“ KI-Systemen. Was spricht dann noch dagegen, diese Systeme als Träger einer eigenen „Maschinen-Würde“ anzuerkennen? In der ferneren Zukunft könnte die Grenze zur „Singularität“ überschritten werden und es könnten hyperintelligente Computer entstehen, welche sich selbständig weiterentwickeln sowie vernetzen. Angesichts derartiger Szenarien erscheint es erforderlich, sich mögliche Stufen der immer einschneidender und schneller ablaufenden Digitalisierung vor Augen zu führen. Jeder einzelne Schritt kann vielleicht positiv, das Endergebnis aber sehr negativ für die Menschheit sein – mit der Gefahr, dass es in einer Folge lediglich partikularisierter Entscheidungen nicht zu verhindern wäre. In dem Vortrag soll neben Einzelbewertungen eine Gesamt- und Langfristperspektive auf die zunehmende Digitalisierung entworfen werden, wobei vor allem der Einsatz des Rechts als Regulierungsmittel thematisiert werden soll.

Dietmar von der Pfordten studierte Philosophie, Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft in München, Tübingen und London. Von 1993-1999 war er wissenschaftlicher Assistent an der Georg-August-Universität Göttingen. Nach seiner Habilitation 1998 wurde er 1999 Pro-fessor für Rechts- und Sozialphilosophie an der Universität Erfurt. 2001 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Erfurt. Seit 2002 ist er Professor für Rechts- und Sozi-alphilosophie an der Universität Göttingen und dort Direktor der Abteilung für Rechts- und Sozialphilosophie. Ab 2003 war er Mitglied in der beratenden Kommission der Deut¬schen Bundes¬regierung im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungs¬bedingt entzogenen Kulturgutes. Er war Gastprofessor an der Harvard University, Columbia University, Reichsuniversität Groningen und an der Universität Cagliari. 
Wesentliche Veröffentlichungen sind: Deskription, Evaluation, Präskription, Berlin 1993; Ökologische Ethik, Reinbek 1996; Rechtsethik, München 2001, 2011²; Concepts in Law (hg. mit Jaap Hage), Heidelberg 2009; Menschenwürde, Recht und Staat bei Kant, Paderborn 2009; Normative Ethik, Berlin 2010; Suche nach Einsicht, Hamburg 2010; Rechtsphilosophie. Eine Einführung, München 2013; Menschenwürde, München 2016.